Technologischer Wandel Archiv

Nicht nur ein Trend: Social Media & Mobile World

Quelle: Katharina Czech

PC, Smartphone, App, und Tablet bestimmen mehr und mehr unser Leben. Das spiegelt sich auch im Veranstaltungsprogramm der ITB 2012 wider. Themen  wie  „Kollaboration Reise-Ideen und Konzepte für ein neues Zeitalter im Tourismus“, „Wie Smartphones, Tablet, PC und App den Internethandel revolutionieren“ oder  „Wie Social Media und Mobile Marketing den Kulturjournalismus verändern“  sorgen für volle Stuhlreihen in den Kongresssälen.

Dabei steht immer das Wort der Veränderung im Mittelpunkt. Im Prozess der gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen durch die mediale Welt befinden wir uns aber bereits nicht mehr nur am Anfang sondern sind mitten drin im virtuellen Geschehen. Viele verknüpfen  heute die reale Welt mit der virtuellen und pflegen ihre Kontakte durch Social Media Dienste (Facebook, Xing). Die Tourismuswelt hinkt diesem Prozess hinterher. Ideen, die den Einstieg in die mobile Welt ermöglichen, kommen meistens aus anderen Wirtschaftsbereichen. In der Tourismusbranche selbst ist also der Bedarf an Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten groß, damit auch dort mehr spezielle Angebote für Smartphones, etc. entwickelt werden.

„Das Reiseerlebnis beginnt schon vor der Reise“, erklärt Oliver Puhle vom Travel Trend Guide. Empfehlungen und Bewertungen bei Social Media Diensten entscheiden immer häufiger über Erfolg  oder  Niederlage einer Destination, somit hat der Märchenbuch-Reisekatalog eigentlich ausgedient. Das Social Network hat sich zum eigenen Reisekatalog  mit vielen positiven aber auch negativen kritischen Einblicken in die Tourismuswelt entwickelt.

Mobile Medien sind längst etabliert. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass Smartphones mehr und mehr den Markt beherrschen. Das zeigen jedenfalls die Verkaufszahlen. Apps erleichtern das Leben zunehmend, Hotels und Flüge werden über das Smartphone von heute auf morgen gebucht und auch das Bestellen eines Taxis funktioniert auf Knopfdruck. 31 Prozent der Smartphonebesitzer durchstöbern in der virtuellen Welt die Rubrik Reise, der Tourismus steht dabei prozentual vor den Themen Bildung und Medizin.  Lange Warteschleifen, Wege ins Reisebüro oder auch die Buchung eines Events über die Theaterkasse sind passé. Dies hat die Reisebranche weitgehend noch nicht erkannt: Wenn der klassische Tourismus nicht schnell neue Wege einschlägt, wird dieser stagnieren.

Change – oder die Zukunft in vier Thesen

Der Eröffnungstag des ITB Berlin Kongresses ist traditionell der Zukunft gewidmet. Vier Experten stellten beim ITB Global Future Summit die vier Megatrends der Tourismus-Zukunft vor: Demographischer Wandel, Klimawandel, technologische Revolution und verändertes Konsumentenverhalten.

Dem Wachsen im armen Süden steht ein Schrumpfen im reichen Norden gegenüber. So lautete die Quintessenz des Vortrags von Reiner Klingholz, Direktor des Berliner Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Die Menschheit hat sich in den vergangenen hundert Jahren vervierfacht: An jedem Tag erblicken 230.000 neue Menschen das Licht der Welt. Doch das tun sie noch immer überwiegend in den ärmeren Ländern der Welt. Dagegen wird sich die Bevölkerung in Europa bis 2050 halbieren. Daran werden auch die Migranten nichts ändern.

Klingholz lieferte den Hintergrund, vor dem Claudia Kemferts Thesen einleuchten: Unsere Ressourcen reichen nicht aus, um allen Menschen auf der Erde ein verschwenderisches Leben zu ermöglichen. Die beiden größten Herausforderungen, denen sich die Menschheit stellen muss, seien der Umgang mit den knapper werdenden Rohstoffen und der Klimawandel. Die Professorin für Energieökonomie hält eine Anpassung an den Klimawandel für unumgänglich. Auch im Tourismus. Sie erwartet, dass sich das Reiseverhalten zum Ökotourismus hin verändern wird. Nachhaltigkeitskriterien werden bei der Urlaubswahl eine immer größere Rolle spielen. Zum Beispiel wird der Handel mit CO2-Zertifikaten wichtiger werden.

In Patrick Schönemanns Vortrag bezog sich der Change einzig auf den technologischen Wandel. Der Geo Sales Manager präsentierte die schöne neue Google-Welt mit interaktivem Kartenmaterial von Google Maps. Frei zugängliche Informationen von überall für jedermann werden auch im Reiseverhalten immer wichtiger. Inhalte auf touristischen Homepages sind beinahe zu hundert Prozent geografische Informationen. Schönemann ist überzeugt: „Goople Maps hilft, die Welt um uns herum zu verstehen und Entscheidungen zu treffen.“
Dass immer mehr Menschen aus immer mehr Reiseangeboten auswählen, wurde in Paul Flatters’ Vortrag deutlich. Bei einer wachsenden Bevölkerung steigt teilweise auch der Wohlstand. Es entsteht eine breite, wohlhabende Mittelschicht. Mit wirtschaftlichem Wachstum gehe auch ein gesteigertes Intersse an Urlaub und Erholung einher. Trotz einer Pluralität von Reisestilen benennt Flatters vom Marktforschungsunternehmen Trajectory („Flugbahn“) zwei dominierende Trends im Tourismus: Reisende würden erstens auf Einfachheit setzen und zweitens freiwilligen Verzicht üben. „One click, keep it simple“ laute das Motto der Technikgeneration, die benutzerfreundliche Produkte verlangt. Diese Simplizität bezieht sich nicht nur auf den Umgang mit Technologie, sondern auch auf den Lebensstil. Immer mehr Menschen bevorzugen einen gesünderen und weniger verschwenderischen Lebensstil. „Even if they don’t have to they do. Because they feel it’s the right thing to do“, sagt Flatters. Allerdings fügt er hinzu, dass die Moralität abnehme, wenn der eigene Lebensstandard schlecht ist.

Eine Veränderung hin zu einer neuen sozialen Verträglichkeit und ökonomischen Nachhaltigkeit wird auf der diesjährigen ITB Berlin eines der Hauptthemen sein. Das Reiseverhalten wird sich durch den demographischen und den klimatischen Wandel dauerhaft verändern. Alle Vorträge, in denen Corporate Social Responsiblitiy (CSR) eine Rolle spielt, sind in den Programmen mit einem grünen Bäumchen gekennzeichnet.