Heinz-Hermann Peitz

Vernetzter - schneller - effizienter
Das Internet am Arbeitsplatz des Bildungsreferenten

Wieder einmal durchzieht die Kultur- und Bildungslandschaft das Schlagwort der "neuen Medien", wieder einmal preisen Protagonisten die Chancen und beschwören Skeptiker die Gefahren, die bei dem Übergang in die Informationsgesellschaft (ein ebenso beliebtes Schlagwort) auf uns warten. Letzteres scheint jedoch mehr als ein Schlagwort zu sein, nimmt man die riesigen Wachstumsraten des Internet und die hierin investierten Gelder als Indikator ernst. Die Entwicklung zur Informationsgesellschaft läßt sich offenbar nicht aufhalten, wohl aber gestalten. Denn inzwischen haben die neuen, computergestützten Medien (Internet, CD-Roms etc.) längst Einzug in die Alltagswirklichkeit, besonders der Jugendlichen gehalten. Wenn Medienkompetenz bereits heute notwendig ist und morgen zur Schlüsselqualifikation in der Informationsgesellschaft wird, kann sich das Bildungswesen dieser Herausforderung nicht entziehen, will sie dem Anspruch gerecht werden, in der modernen Gesellschaft konstruktiv mitreden zu können.

Für die Arbeit von Bildungshäusern und Akademien empfehlen sich die neuen Medien nicht nur aus diesen pragmatischen Gesichtspunkten; ein Verzicht auf ihre Stärken wäre so unvernüftig, wie die Ignoranz ihrer Gefahren schädlich ist. Am Beispiel des Internet möchte ich aufzeigen, wie die Stärken dieses Mediums gewinnbringend zum Tragen gebracht werden können, ohne die Gefahren aus dem Blick zu verlieren. Was aber sind die Stärken des Internet? Ohne auf jeden Punkt im einzelnen eingehen zu können, erwähne ich schlaglichtartig die wichtigsten medialen Pluspunkte, um deren Anwendung es im folgenden gehen wird:

Die Einflüsse und Nutzbarkeiten des Internet durchziehen dabei unterschiedliche Ebenen. Sie betreffen:

Da von dem Einsatz der neuen Medien bei der Gestaltung einer Veranstaltung an anderer Stelle dieses Bandes die Rede ist, beschränke ich mich auf die individuelle Nutzung des Internet durch den Bildungsreferenten und die institutionelle Nutzung als Präsentationsplattform der Akademie oder des Bildungshauses.

 

Individuelle Nutzung des Internet: Jederzeit schnell und gut informiert!

Unabhängig davon, ob das Internet zum Thema und Gegenstand einer Veranstaltung wird, kann seine Nutzung für den Arbeitsalltag und die Vorbereitung von Tagungen von allgemeinem Interesse sein.

Die Grundvoraussetzung für eine ungetrübte Nutzung ist die gutorganisierte technische und organisatorische Infrastruktur. Nur dann kann die volle medienspezifische Funktionalität ausgefahren werden. Am Beispiel der E-mail-Kommunikation wird diese Forderung besonders deutlich.

Elektronische Kommunikation oder: E-mail statt snailmail

Solange in unserem Hause nicht jedes Fachreferat eine eigene E-mail-Adresse besaß, wurden eingehende mails zentral abgeholt, ausgedruckt und in die Postfächer verteilt. Das mediale Plus, das eine E-mail gegenüber einem Fax auszeichnet, geht dabei verloren. An erster Stelle fehlt die komfortable Antwortfunktion: Nach dem Lesen einer E-mail bereiten selbst die einfachsten mail-Programme per Knopfdruck ein Antwortformular vor: Der bisherige Absender wird in das Adressfeld eingetragen, die Betreffzeile um ein "Re:" erweitert, der Brieftext auf Wunsch zitiert, so daß an jeder Stelle ein eigener Kommentar eingefügt werden kann. Einen Mausklick später ist die Antwort bereits auf dem Weg zum Empfänger. Einfachheit und Schnelligkeit zeichnen die E-mail-Kommunikation aus.

Ein weiteres Spezifikum ist die Vernetzung der Information: Enthält eine E-mail Verweise auf WWW-Seiten (Links), kann man durch einfaches Anklicken der Links die entsprechenden Seiten im Internet aufrufen. Seinerzeit erhielt ich den Ausdruck (!) einer gutgemeinten mail mit Hinweisen (Links) auf dutzende lesenswerter Internetseiten. Diese Mail ist so gut wie wertlos, will man sich nicht der Mühe manueller Neueingabe unterziehen. Inzwischen besitzt jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin eine eigene E-mail-Adresse und einen Internetzugang vom Arbeitsplatz aus; die funktionalen Stärken können genutzt werden, die Zentrale ist zudem entlastet.

Wie geht´s weiter? In Zukunft wird die Kommunikation mit unserer Druckerei ebenfalls durch E-mail-Austausch effizienter gestaltet. Korrekturen an Druckfahnen wurden bisher über (schlecht leserliche) Fax-Ausdrucke oder auf (langsamen) postalischen Wegen vorgenommen. Demnächst wird eine Druckdatei (pdf-Format) via E-mail zugestellt, in einem Betrachter (Adobe-Acrobat) so dargestellt, wie der spätere Ausdruck sein könnte (wysiwyg-Prinzip), vom Nutzer korrigiert und per Knopfdruck zurückgeschickt.

Sicherlich liegen auch im Chatten, in Videokonferenzen und vor allem im gemeinsamen Arbeiten an einer Anwendung (application-sharing) Zukunftschancen, die zum Teil noch nicht zuverlässig genug sind (z. B. Videokonferenz über Netmeeting) und von mir bisher erst angetestet wurden.

Die elektronische Kommunikation via E-mail gehört bei uns bereits jetzt zu den wichtigsten, wenn auch unspektakulären Dienstleistungen des Internet. Aufsehenerregender ist da schon die bunte Welt des World Wide Web (WWW), dessen Nutzen zunehmend geschätzt wird. Breitenwirkung und Effizienz setzen aber auch hier erst bei gut organisierter Infrastruktur ein. Solange in einem fernen Winkel des Hauses ein PC mit langsamem Modem als Internetzugang zur Verfügung steht (weiter Weg, PC hochfahren, Warten auf die Verbindung, lange Ladezeit, Speichern auf Diskette, Rückweg ...), wird man leicht den Eindruck haben: "Das Internet wird ja doch nicht genutzt". Sobald aber das WWW per Knopfdruck am eigenen PC zu haben ist, erfährt die Nutzung einen qualitativen Sprung. Hier stimmt das Verhältnis von Aufwand und Nutzen, um die Pforten zur weltgrößten Datenbank zu öffnen.

Von Suchmaschinen und Katalogen

Infrastruktur und funktionierende Technik sind zwar wichtige (und zeitaufwendige), aber keine hinreichenden Voraussetzungen für die erfolgreiche Nutzung. Bei den Stärken der neuen Medien war von der Informationsfülle die Rede, die eine medieneigene Suchkompetenz erforderlich macht. Erfreulicherweise stellt das Netz nutzerfreundliche Instrumente zur Verfügung, die nicht nur schnell suchen, sondern (meist) auch überraschend Interessantes finden. Werden allgemeine Grundinformationen oder ein erster Einstieg in ein Themengebiet gewünscht, empfiehlt sich ein systematisch geordneter und redaktionell betreuter Katalog, der schrittweise von allgemeinen Rubriken zum Konkreten führt.

Beispiel: Ich möchte mir einen Überblick über die Theologische Fakultät der Universität Eichstätt verschaffen. Dazu benutze ich den Katalog "www.yahoo.de" und gelange über die Rubriken "Bildung und Ausbildung", "Hochschulen", "Eichstätt, Kath. Universität" in wenigen Sekunden zu den Seiten der katholischen Fakultät.

Gezieltere oder komplexe Anfragen befriedigen sogenannte Suchmaschinen. Ein Fall aus dem Alltag: Ich plane eine Veranstaltung zum Thema "Künstliche Intelligenz/Künstliches Leben". Die Stichworte "künstliche intelligenz künstliches leben" ergeben bei Altavista (http://www.altavista.com) sofort Volltreffer. Bereits der erste Link führt mich zur Universität Bamberg: Die Psychologen Dörner und Schaub basteln offenbar an einer künstlichen Seele - für Philosophen wie Theologen keine schlechte Provokation. Also genau das, was ich brauche! Die Webseiten enthalten Bio- und Bibliographie der Forscher, mehrere ihrer Veröffentlichungen zum Download, ja sogar das Programm "Mini-Psy", die popularisierte Simulation einer Seele (oder besser - zur Beruhigung hinzugefügt – der Vorstufe einer Seele). Eine Anfrage genügte, und mit Harald Schaub hatte ich einen geeigneten Referenten gewonnen, der die Veranstaltung mit Vortrag und Demonstration von "Mini-Psy" eröffnete und publikumswirksam herausforderte.

Nicht immer ist der erste Treffer zielführend, nicht immer enthalten Internetseiten derart umfassende und einschlägige Informationen. Meist aber lassen sich Sachinformationen und Angaben über einzuladende ReferentInnen recherchieren, die über Printmedien in puncto Umfang und schneller Verfügbarkeit hinausgehen. Der Beschaffungsaufwand der benötigten Information reduziert sich im Vergleich zu herkömmlichen Wegen um Dimensionen. Man denke daran, daß wir zur Zeit (noch) die Vorlesungsverzeichnisse fast aller deutscher Universitäten anschaffen und auf aktuellem Stand halten müssen ...

Datenbanken

Nicht alles, was das weltweite Netz anbietet, läßt sich über die Suchmaschinen auffinden. Viele Institutionen pflegen eigene Datenbanken, die ihre Inhalte erst über eine Schnittstelle zum Internet (Anforderungsmasken) preisgeben. Wenn man gern in großen Zahlen schwelgt, muß man zu den 350 Millionen Internetseiten dieses ungeheure Angebot noch hinzuzählen: Hinter den wenigen Internetseiten von GBI (s. u.) beispielsweise verbergen sich 150 Datenbanken mit mehreren hundert Gigabite, die zum Abruf bereitstehen. Die reine Menge an bits und bites allein macht den bildungshungrigen Akademiereferenten aber nicht satt. Welchen konkreten Nutzen bringen solche Datenbanken?

Newsticker

Während man sich in den bisher genannten Angeboten aktiv auf Informationssuche begeben mußte (pull), steigt der Trend zum "push"-Angebot. Channels und Newsticker werden von sich aus aktiv (push) und informieren angemeldete Nutzer über Neuigkeiten innerhalb eines vorher eingegebenen Interessenprofils. So abonniere ich mit großem Nutzen seit zwei Jahren naturwissenschaftliche Neuigkeiten von Bild der Wissenschaft.

Institutionelle Nutzung des Internet: Hypermarketing für Bildungshäuser

Das Interesse der Institution am Internet beschränkt sich zumeist nicht auf die Nutzung durch MitarbeiterInnen und die Integration des neuen Mediums in ein geeignetes Workflow-Management, wie ich dies an den Beispielen der E-mail-Kommunikation und Webseiten-Nutzung gezeigt habe. Darüber hinaus scheint es zunehmend den "Zwang" zur Präsentation des eigenen Hauses auf einer Internet-Homepage zu geben. Die dahinterstehende Absicht ist recht unterschiedlich und reicht von einem bloßen "Dabeisein ist alles" bis zur Nutzung als "Hypermarketing". Will man jedoch nicht wertvolle personelle wie finanzielle Ressourcen vergeuden, sollte man sich über die Ziele und die damit verbundenen Anstrengungen im klaren sein. Mit wenig Aufwand raschen Erfolg oder schnelles Geld zu verdienen, wird nur von findigen, besser: windigen Providern und selbsternannten Marketing-"Experten" versprochen.

In die folgenden Überlegungen sind die Erfahrungen eingeflossen, die ich bei der Initiierung, Pflege und Ausweitung der Internetseiten unserer Akademie (Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart: http://www.kirchen.de/ akademie/rs) gemacht habe, und mit denen ich gern einen Erfahrungsaustausch anregen möchte.

Ziele der Internet-Präsenz

Am Anfang sollte die Frage nach der Zielgruppe und der Art der "Kundenbindung" stehen. Wen will ich erreichen, wen kann ich zur Zeit über das Medium Internet erreichen, und wie können Seiten für diese Gruppe attraktiv gemacht werden?

Auskunft über das derzeitige Nutzungsprofil des Internet bietet der im April 1998 erstellte Nutzerüberblick des Graphic, Visualization, & Usability Center's (GVU) Danach liegt das durchschnittliche Alter weltweit bei 35 Jahren; das europäische Altersprofil weicht deutlich ab: Die meisten NutzerInnen sind zwischen 21 und 30 Jahren alt. Das Bildungsniveau hat sich im Schnitt erniedrigt und bewegt sich damit etwas mehr in Richtung des allgemeinen Bevölkerungsdurchschnitts; dennoch war die erfaßte Nutzergruppe von hohem Bildungsgrad (81% hatten zumindest akademische Erfahrung, 50% einen akademischen Abschluß). Damit ist eine für Akademien und Bildungseinrichtungen interessante Gruppe im Blick, die sicherlich noch nicht flächendeckend erschlossen ist.

Die Häufigkeit der Abrufe unserer Seite von Uni-Rechnern zeigt, daß hier in der Tat Angebot und Nachfrage eine respektable Schnittmenge aufweisen. Die Schwerpunkte des Interneteinsatzes liegen in Europa bei der beruflichen Nutzung (an 1. Stelle) gefolgt von dem Interesse an persönlicher Information (2. Stelle) und Bildung (3. Stelle).

Anders als diese Statistik glaubt Matthias Schnell, Leiter der "Arbeitsstelle Internet" der EKD und des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik, "daß das Internet nicht so sehr der Information sondern in viel stärkerem Maße der Kommunikation dient". Die oben zitierten Daten (nicht nur von 1998) und die mir näher bekannten, eher schlechten Erfahrungen evaluierter Diskussionsforen im WWW (nicht gemeint sind hier Kommunikationen via E-mail oder newsgroups), geben eine andere Gewichtung wieder und verbieten es, den Informationsbedarf geringzuschätzen. Aus beiden Akzentsetzungen (Information und Kommunikation) jedenfalls ergeben sich für Bildungseinrichtungen und Akademien interessante "ökologische Nischen", die nicht nur medienspezifisch, sondern auch akademie-/bildungshausspezifisch sind.

Als letztes sei ein kurzer Blick auf die Probleme geworfen, die bei der Internetnutzung am häufigsten bemängelt wurden.

Nach technischen Problemen (Ladegeschwindigkeit und ins Leere gehende Links) haben 47% Schwierigkeiten, neue Informationen zu finden, 28% haben Probleme im Auffinden von Seiten, deren Vorhandensein grundsätzlich bekannt ist, und 25% haben Schwierigkeiten, die gefundenen Informationen effizient zu organisieren. Im Grunde sind das die Schwierigkeiten, die eingangs als Übergangsprobleme beim Einstieg in die Informationsgesellschaft markiert worden sind: Wie finde ich die Nadel im Heuhaufen, und wie gelange ich von der Datenflut zu qualifizierter Information.

Aus der Analyse ergibt sich eine erste Einschätzung, wie eine adressatenbezogene Internetpräsenz aussehen sollte: Wer dem Bildungs- und persönlichen Informationsbedarf entspricht, ohne die Nutzer mit langen Ladezeiten zu quälen, dabei aktuell ist und sich mit weiterführenden (funktionierenden) Links auf authentische Quellen als kompetenter "Informationsbroker" seines Faches erweist; wer sich interaktiv und kommunikativ zeigt, hat die Grundvoraussetzungen für eine gelingende Rezeption erfüllt.

Wie lassen sich solche Leitgedanken konkretisieren, und wie lassen sich diese Erwartungen der "Web-Gemeinde" mit den eigenen Zielvorstellungen und Möglichkeiten vereinbaren?

Einen Beitrag dazu leisten wir durch die Pflege eines Akademie-Newstickers, der subskribierte Teilnehmer über Neuigkeiten und Aktualitäten via E-mail informiert. Die elektronische Post enthält eine Kurzbeschreibung und einen Link, der die Leser per Mausklick auf die entsprechende Seite der Neuigkeit führt. Nach einigen Monaten nutzen inzwischen um die 50 Personen diesen Service: bei 16.000 Seitenabrufen pro Monat gewiß nicht viele, dafür aber qualifizierte Kontakte!

Darüber hinaus sind über unsere Homepage die Zeitschrift "Forum Wirtschaftsethik" sowie die Jahreschronik der Akademie im Volltext abrufbar. Zusammen mit Tagungsvor- und -nachbereitungen (Referate, Thesenpapiere) ist dadurch ein beachtlicher Datenberg entstanden, der auf seine Erschließung wartet. Aus den Besuchen anderer Seiten weiß ich, wie mühsam es ist, Zeitschrift für Zeitschrift die Inhaltsverzeichnisse durchzublättern in der vagen Hoffnung, daß auch ein blindes Huhn einmal ein interessantes Korn erwischt. Wer genaue bibliographische Angaben besitzt, kann diesen Weg über die Inhaltsverzeichnisse gehen; für die übrigen Interessierten haben wir auf der ersten Seite eine Suchmaschine integriert, die unser Angebot nach eingegebenen, logisch kombinierbaren Suchbegriffen absucht und die Fundstellen mit Seitentitel, Kontexten (das Wortumfeld des Suchbegriffes wird mitgeliefert) und Trefferbewertung (6 Sterne = guter Treffer) auflistet. Eine Erschließung über Schlagworte ist geplant und soll das sachorientierte Ansprechen von Nutzern, unser Hauptziel, weiter unterstützen.

Bewußt haben wir uns von der ersten Konzeption an dafür entschieden, daß wir primär auf ein Publikum zielen, das mit einem bestimmten Sachinteresse unsere Seiten betritt. Selbstverständlich ist jeder und jede willkommen, die aus institutionellem Interesse anfragt: Was bietet die Akademie an? Wie ist ihr Selbstverständnis? Welche Fachreferenten betreuen welches Themengebiet? Wie weit ist der Erweiterungsbau? Tendenziell aber stehen Sachthemen im Vordergrund des Gesamtangebots und der Begrüßungsseite: Die neue Enzyklika, Vorbereitung auf das 21. Jahrhundert, Seminarprogramm Journalismus, Forum Wirtschaftsethik, Shoa-Erklärung des Vatikan ... Die Auswertung der Seitenstatistik gibt dem Ansatz bei der Sachorientierung recht. Die meisten NutzerInnen betreten nicht zuerst unsere Begrüßungsseite, sondern kommen häufig von Suchmaschinen, in denen die Eingabe von Stichworten zu unseren Seiten geführt hat. Entsprechend erfahren Seiten, die aktuelle Zeitfragen behandeln (Transplantationsgesetz, Bioethik-Konvention usw.), das größte Echo. Verfolgt man das Ziel, sachorientiert anzusprechen, müssen die Seiten konsequent bei den Suchmaschinen und Katalogen angemeldet werden – versehen mit geeigneten (internationalen) Schlagworten, kurzer Inhaltsangabe und weiteren Details, die im verborgenen Kopfteil der Seite (über sogenannte meta-Tags) eingetragen werden müssen.

Die Seiten dienen primär der Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema und der Transparenz unserer Arbeit an diesem Thema; wenn diese Auseinandersetzung zum Besuch einer damit im Zusammenhang stehenden Veranstaltung führt, wäre ein weiteres Ziel erreicht.

Bei der Verfolgung dieses Ziels ist es nicht damit getan, zeitgleich mit dem Versand der gedruckten Einladungen auch das Internetangebot zu plazieren. Hier muß man zwischen pull- und push-Medien unterscheiden. Während man durch das Direktmailing der gedruckten Einladung relativ genauen Einfluß auf den Zeitpunkt hat, zu dem der Adressat das Angebot erhält (push-Medium), muß man bei Internetseiten warten, bis potentiell Interessierte einen Suchvorgang (pull) starten. Die Zahl der Interessierten mag insgesamt groß sein, aber Suchanfragen sind gleichmäßig über die Zeit verteilt und bündeln sich nicht ausgerechnet in der Anmeldephase einer Veranstaltung – Ausnahmen sind natürlich Tagungen, die rasch auf ein aktuelles Zeitereignis reagieren. Bis also ein Angebot in interessierte Hände fällt, kann die Tagung längst vorbei sein. Ankündigungen im Internet erfordern damit eine Einspeisung ins Netz, die zeitlich weit vor der Ankündigung über push-Medien liegt.

Geht der Anspruch über die Veröffentlichung eines skizzenhaften Gesamt- oder Halbjahresprogramms hinaus, greift der größere Vorlauf tief in die etablierten Abläufe der Planung und Ankündigung von Veranstaltung ein; ein Mehraufwand, der im allgemeinen gescheut wird, wenn nicht im Printbereich mit ähnlichen Vorläufen aufgewartet wird.

Dennoch: Meiner Meinung nach lohnt sich der Mehraufwand einer langfristigen Vorankündigung. Im Unterschied zum push-Medium nämlich hat man es beim pull-Medium sehr viel wahrscheinlicher mit Interessierten zu tun: diese sind es ja schließlich, die die Information aktiv abgerufen haben, während sie sonst eher die passiven Objekte eines vom Tagungsanbieter ausgehenden Versandes sind. Auf einer Online-Ankündigungsseite kann man bei Bedarf zu einer intensiven Tagungsvorbereitung anregen. Links führen zur homepage der eingeladenen ReferentInnen, Texte können viel umfangreicher angeboten werden, als dies aus Kostengründen beim schriftlichen Versand denkbar ist. Ein solcher Service ist auch als Nachbereitung einer Tagung denkbar und läßt sich als solcher leichter in bestehende Arbeitsabläufe integrieren.

Tagungen, die ich auf diese Weise nachbereitet habe, stoßen immer wieder auf Interesse: Referate werden heruntergeladen, in Anrufen erkundigt man sich nach eventuellen Folgetagungen o. ä. Anders als eine gedruckte Publikation ist die Internetveröffentlichung technisch einfacher, schneller und kostengünstiger. Im Prinzip ist hier auch der Grundstein gelegt, zur Kommentierung der ins Netz gestellten Texte zu ermuntern und die auf der Tagung angestoßene Diskussion in diesem Medium fortzuführen.

Dieses Ziel war für viele die häufigste Motivation für den Einstieg ins Internet. Man wollte erste Erfahrungen sammeln, abwarten, wie es sich mit dem Internet weiterentwickelt, evaluieren, ob sich eine Präsenz lohnen könnte. Doch ist hier Vorsicht geboten: Eine solche Präsenzart kann kein Indikator für Internetpräsenz insgesamt sein. Mangelnde oder rückläufige Resonanz einer Firmenbroschüre, die womöglich noch eine 1:1-Kopie der Printausgabe ist, schließt den Erfolg einer Präsenz nicht aus, die mit dem Versuch, die wirklichen Stärken des Mediums zu nutzen, die Akzeptanzschwelle überschreiten kann.

Als alleiniges Ziel fragwürdig, ist die Firmenbroschüre im Verbund mit den Realisierungen der anderen Ziele geradezu ein Muß. Wer über eine Suchmaschine erst einmal auf einer inhaltlich interessanten Seite gelandet ist, möchte mehr über den Autor und seine Institution erfahren, um Authentizität und Positionalität der soeben gewonnenen Information hinzuzufügen. Nicht selten interessieren dann auch noch das thematische und institutionelle Umfeld ("Was bieten die denn sonst noch an?").

Bei den oben genannten möglichen Zielsetzungen sollte man die Rückmeldemöglichkeit als medienspezifisches Querschnittsziel nicht aus den Augen verlieren. Wer aber Rückmeldungen anbietet und zur Diskussion auffordert, sollte die personellen Ressourcen bereitsstellen, dies angemessen erwidern zu können. Die Bedenken gegen ein Diskussionsforum habe ich oben bereits angedeutet. Unmoderierte Listen können zu Wildwuchs in quantitativer wie qualitativer Hinsicht führen, moderierte Listen mit dürren Beiträgen oder solchen, die überwiegend vom Moderator selbst stammen, laden kaum zum Mitdiskutieren ein. Mir scheint, daß erst eine kritische Masse qualitativ guter Beiträge überschritten sein muß, bis die Motivation zum Mitmachen einsetzt und es zu einer guten Dialogkultur kommt. Dies aber erfordert etablierte organisatorische Strukturen und ein hohes Maß an Vorbereitung und Begleitung.

Die kritischen (auch selbstkritischen) Zwischentöne sollen nicht davon abhalten, eigene Erfahrungen in einem Internet-Auftritt zu machen. Sie sollten aber darauf aufmerksam machen, daß eine wirksame und mediengerechte Präsenz nicht zum Nulltarif zu haben ist: weder in finanzieller noch in personeller Hinsicht. Ein Ziel ist schnell gefunden, die Umsetzung wird oft unterschätzt.

Hinweise zur Umsetzung

Ist das Ziel einmal benannt, müssen Wege zu seiner Umsetzung gefunden werden. In dem Buch "Marktplatz Internet" nennt Jörg Resch sechs Komponenten für einen erfolgreichen Auftritt im World Wide Web. Ich möchte kurz auf einige dieser Komponenten eingehen und mit der eigenen Umsetzungserfahrung verbinden.

Content Design: Gesamtkomposition

Der erste Schritt markiert die konzeptionelle Hauptarbeit und führt von der allgemeinen Zielvorgabe zum Content Design. Wie soll die Gesamtkomposition aussehen, die dem gesteckten Ziel am ehesten dienlich ist? Hier können auch Leitideen hilfreich sein, die sich ein Bildungshaus gegeben hat: In unserem Fall sind dies "Dialog" und "Gastfreund-schaft", die in jedem Segment der Seiten sichtbar und erlebbar werden sollten. Hier gibt es vielfältige Möglichkeiten der Umsetzung, die das gesamte Angebot durchziehen können: Anstelle von Bildern, die Referenten monologisierend darstellen, könnten solche aus Gesprächssituationen treten; auf jeder Seite könnte die Möglichkeit der Rückmeldung per E-mail angeboten werden (Dialog auch mit dem Nutzer der Internetseiten) usw. Hier wird deutlich, daß es – nimmt man die Leitideen tatsächlich zur Richtschnur des Content Design – zu einem medienspezifischen Re-Design kommen muß: Dialog läßt sich mit den modernen Medien (E-mail) eben besser operationalisieren als mit herkömmlichen.

Insofern diese Leitideen das Profil einer Einrichtung unverwechselbar machen, ist auch das Content Design einzigartig. Der unique content, das, was Profil verleiht und von anderen unterscheidet, ist eine gute Voraussetzung für eine hohe Anziehungskraft.

Visuelles Design

Im Dienste des Content Design sollte im visuellen Design vor allem die Corporate Identity durchgängig transportiert werden. In unserem Fall sind dies grafisch ähnliche Elemente wie im Printbereich (Akademie-Logo), diese konsequent als Gestaltungselemente durchgehalten, eine Navigationsleiste, die alle Seiten begleitet und dem Nutzer sinnlich vermittelt, daß er sich während seiner Surftour noch auf den Seiten der Akademie befindet usw.

Darüber hinaus führt Resch noch das Branding ein, das Erfahrungen und Emotionen vermitteln, Erlebniswelten schaffen soll. Unsere Leitgedanken laden geradezu dazu ein, dies zu versuchen. Man kann hoffen, daß einige Fotos von Veranstaltungen etwas von diesen Erlebnissen wenn schon nicht schaffen, so doch andeuten.

Informations- und Navigationsdesign

Je größer das Informationsangebot, desto wichtiger ist das Navigationsdesign. Mehrfach ist die Problematik der Unübersichtlichkeit einer reinen Datenflut angeklungen. Für die Frage, wie ich den Nutzer bei seiner Informationssuche durch Navigationshilfen unterstütze, ist wieder die Vorentscheidungen in Zielvorgaben und Content Design ausschlaggebend: Soll das Angebot sachorientiert aufbereitet werden, werden andere Navigationselemente hilfreich sein, als bei einem institutionsorientierten Zugang. Daten können chronologisch, kategorisch, alphabetisch, numerisch oder geographisch aufbereitet werden. Beispiele: – Ein linker Frame soll sachorientiert durch ein Akademieangebot führen. Die Navigationsbuttons: Heiße Themen, Veranstaltungen, Vorschau, Nachlese, Publikationen. – Ein Frame soll institutionsorientiert führen. Die Buttons: Begrüßung durch den Direktor, Wir über uns, Unser Tagungshaus. – Die evangelischen Akademien präsentieren sich bundesweit: Hier wird der Zugang über eine anklickbare Deutschlandkarte mediengerecht nahegebracht.

Interaktionsdesign

Noch einmal sei auf ein Querschnittsthema hingewiesen, das sicher zu den Medienspezifika gehört. Gegen Passivität und Konsumentenmentalität, gegen eine Nürnberger-Trichter-Didaktik setzt das Netz die Kommunikation und Interaktion. Es ist zu überlegen, an welchen Stellen welche Rückmeldeschleifen, Bestellmöglichkeiten, Kommunikationsmöglichkeiten mit den Anbietern, aber auch mit anderen Nutzern im Rahmen des Gesamtangebots angezeigt sind.

Kompatibilitätsdesign

Die Forderung, mit möglichst allen Nutzern kompatibel zu sein, kann leicht in Zielkonflikt mit den ersten drei Komponenten geraten. Wer Navigationsframes anbietet, kann von Browsern, die diese Funktionalität nicht unterstützen, nicht empfangen werden; wessen "Branding"-Fotos für die Präsenz unverzichtbar sind, ignoriert schmale Bandbreiten; wer sein Tagungshaus ausschließlich als VRML-Welt demonstriert, schließt die Fülle derer aus, die nicht bereit sind, für jedes Internetangebot ein eigenes Plug-In zu installieren und alle zwei Monate zu aktualisieren. Wer dennoch mit gutem Grunde auch neueste Technik anbieten will, sollte für den "rückständigen" Teil der Nutzer einen parallelen "Stream" anbieten, der die Inhalte auf technisch einfachere Weise vermittelt.

Unbedingt sollte man sich vor der Freischaltung das eigene Angebot auf unterschiedlichen Rechnern und Bildschirmen anschauen und auf gute "performance" testen. Denken Sie noch einmal zurück an die Probleme bei der Internet-Nutzung: An erster Stelle standen technische Probleme, allen voran die Ladezeit.

Startphase und Promotion

Nach bestandenem Test wird das Gesamtpaket der gespannt wartenden Weltöffentlichkeit offeriert. Von selbst will sich aber kaum ein Erfolg einstellen, und ohne wirksame Vermarktungsstrategie und medienspezifische Öffentlichkeitsarbeit läuft hier wenig. Welche Möglichkeiten sollte man nutzen?

Übrigens: Die steil abfallende Flanke nach der Pressekonferenz läßt vermuten, daß unsere Seiten zum damaligen Zeitpunkt nicht attraktiv genug waren, um eine über die erste Neugier hinausgehende Dauerbindung zu erzeugen. Wie also erreiche ich einen kontinuierlichen Nutzwert durch Aktualität und ein ständig wachsendes attraktives Angebot?

Pflege und Ausbau

Die Kürze der Darstellung dieses Abschnittes sollte nicht darüber hinwegtäuschen, daß es sich bei der sorgfältigen Pflege und dem kontinuierlichen Ausbau um die wichtigsten Erfolgsfaktoren handelt. Immer wieder ist der bleibende Nutzwert als unverzichtbar hervorgehoben worden. Und oft genug wird der Aufwand, den diese beiden Punkte erfordern, bei weitem unterschätzt. Nicht die Startseiten sind das eigentliche Problem, sondern durchgehende Aktualität und Attraktivität.

Die besten Voraussetzungen sind auch hierfür die von allen getragene grundsätzliche Entscheidung, in das neue Medium zu investieren, und darauf fußende infrastrukturelle Erweiterungen. Um die Mehrarbeit durch solche Erweiterungen so gering wie möglich zu halten, sollte eine weitgehende Automatisierung des Ablaufs und eine Integration in das workflow-Management angestrebt werden. Was dies konkret heißt, ist an Beispielen der Nutzung (E-mail) exemplarisch angedeutet worden. Beim Anbieten von Internetseiten bewährt sich in unserem Fall die enge Zusammenarbeit mit der Druckerei, die um eine Internet-Abteilung erweitert wurde. Die herkömmlichen Vorlagen sind im Konsens aller MitarbeiterInnen mit einem kurzen Internet-Anhang versehen worden und dienen so als Vorlage sowohl für die Print- als auch für die Internetabteilung der Druckerei. Die Zusatzfragen im Anhang stellen sicher, daß die Internetseiten kein reines 1:1-Abbild des Printmediums sind, sondern medienspezifisch aufgearbeitet werden. Die Kosten sind für die Druckerei nach ein paar Aufträgen kalkulierbar und pauschalierbar geworden und finden als zusätzlicher fester Posten Eingang in Tagungs-Kalkulation und abschließender Rechnungsstellung. Damit ist ein großer Teil der Aktualisierungsarbeit effizient operationalisiert.

Um die Startseite und das restliche Angebot aktuell zu halten, reichen diese Operationalisierungen noch nicht aus. Soweit möglich werden auch diese Zusatzaufgaben an die Internetabteilung der Druckerei, bei besonderem Aufwand, großer Dringlichkeit oder innovativen Elementen auch an externe Spezialisten vergeben.


Statistische Auswertung

Für die Richtung, in welche eine Aktualisierung gehen kann, geben die statistischen Auswertungen der Seitenabrufe eine interessante Auskunft. Die mit Spannung erwartete Statistik am Monatsende hält meist schmeichelhafte Zahlen bereit. So wurden für die Akademie im September 1998 16.494 Zugriffe verzeichnet. Zahlen mögen zwar nicht lügen, erfordern aber eine genaue Interpretation. Gemeint ist in diesem Zählmodus nicht die Anzahl der Besucher; jede abgerufene Seite erhöht den Zähler um 1. Mein privater Provider zählt sogar jede abgerufene Grafik eigens mit (dazu zählt jede grafische Trennlinie oder grafische Aufzählungszeichen) und erzeugt damit in die Höhe getriebene Zahlenspielchen, die für die Auswertung völlig irrelevant sind. Aber auch die Entwicklung der Zugriffe auf die Akademieseiten muß noch einmal hinterfragt werden.

Die Steigerung der Anzahl abgerufener Seiten und die Zunahme der Breitenwirkung ist zwar unbestreitbar, der Anstieg wird aber auch durch die Erhöhung der Anzahl von ins Netz gestellten Seiten gefördert. Je mehr Seiten zur Verfügung stehen, desto häufiger werden Besucher von Suchmaschinen zugewiesen. Will man also die Steigerung der Zugriffsraten pro Seite erkennen, muß noch einmal ein Korrekturfaktor eingerechnet werden.

Nicht nur die Gesamtzugriffe werden registriert, sondern darüber hinaus lassen sich zahlreiche Einzelbeobachtungen auswerten: Wie oft wird welche Seite geladen? Wie lange werden Seiten genutzt bzw. Ladeversuche abgebrochen? Was sind typische Einstiegs- und Ausstiegsseiten? Aus welchen Ländern, von welchen Firmen, Unis kommen die Zugriffe? Von welchen Suchmaschinen und mit welchen Suchanfragen wurden wie viele Benutzer auf die Seiten geleitet?

In der obigen Beispielgrafik sind die Zugriffe auf eine WWW-Seite zur Tagung "Hirntod und Transplantationsgesetz" hervorgehoben. Im Vorfeld der Veranstaltung und auf der Veranstaltung selbst wurde in unterschiedlichen herkömmlichen Medien auf die Internetseiten hingewiesen. Die Konsequenzen dieser konventionellen Werbekanäle sind deutlich meßbar und sprechen für die Wirksamkeit einer integrierten Werbestrategie. Noch deutlicher schlägt die gesellschaftliche Diskussion zu Buche, die Ende 1996 in der Breite aufbricht. Wer zu aktuellen "heißen Eisen", die im Zentrum der gesellschaftlichen Diskussion stehen, interessante Internetseiten im Angebot hat, wird sich über Abrufzahlen nicht beklagen können. Technisch Unzureichendes kann über die Statistik ebenso lokalisiert werden wie interessante oder uninteressante Seiten. Wie kaum ein anderes Medium gestattet die Internetpräsenz eine direkte "Erfolgs"messung.

Fazit

Das Internet kann den Arbeitsplatz des Bildungs- und Akademiereferenten also tatsächlich verändern. Er wird dann effizienter arbeiten können, sein Angebot wird vernetzter und um ein Medium reicher sein. All dies gerät zum Segen nur dann, wenn sowohl bei der Nutzung als auch beim Anbieten von Internetseiten eine grundsätzliche Entscheidung des Hauses für dieses neue Medium vorliegt, wenn geeignete infrastrukturelle Maßnahmen und technische Realisierung umgesetzt werden und die Pionier- und Konsolidierungsphasen möglichst rasch in den Alltag übergehen, in dem das Internet von einem dominierenden Thema zu einer medialen Selbstverständlichkeit heruntergeholt wird, wie dies bei Faxgeräten oder Telefon heute der Fall ist.

Kulturkritisch kann man fragen, ob es in diesem Bereich aufgrund der Kürze der Innovationszyklen je gelingen wird, die Pionierphase hinter sich zu lassen und gleichzeitig up to date zu sein. Bedenken sind hier angebracht und ein Bonmot einer Computerzeitung brachte es neulich auf den Punkt: "Wenn Ihr Computersystem stabil läuft, ist es veraltet!" Das "immer schneller, immer besser" macht auch vor der Informationsbeschaffung und -bereitstellung nicht halt und ist mit "Effizienz" im Titel dieses Beitrags recht positiv belegt. Eine neue Kultur der Langsamkeit" wird durch die Nutzung des Internet allerdings auf den ersten Blick nicht gefördert. Es bleibt zu hoffen, daß die Effizienzrevolution Freiräume für Wesentliches, Freiräume auch für echte Frei-Zeit schaffen wird. Dies ist bis jetzt nur ein frommer Wunsch.

 

 

Literatur

Bundesministerium für Bildung, Forschung, Wissenschaft und Technologie (Hrsg.): Durchbruch Multimedia – Deutschland im Internationalen Vergleich. Eine Untersuchung von Booz, Allen & Hamilton im Auftrag des Projektträgers des BMBF für Informationstechnik. Bonn August 1998.

Resch, J.: Marktplatz Internet – Das Internet als strategisches Instrument für Marketing und Werbung. Unterschleißheim 1996.

Schnell, M.: Schlußbetrachtung: Perspektiven für die Zukunft – Strategien kirchlicher Internetarbeit. In: Nethöfel, W. und M. Schnell (Hrsg.): Cyberchurch? Kirche im Internet. Frankfurt am Main 1998.